IT IT
DE IT EN
Geschichte



Möge unser gemeinsames Werk hier, diese Institution, immer besser den Zweck erreichen, zu dem sie geschaffen wurde: Das Gemeinwohl zu fördern und Zustimmung und Anerkennung all der Menschen zu vereinen, die das Schöne, Nützliche und Aufrichtige lieben.
(Heinrich Mylius, 1844)



Der Frankfurter Kaufmann Heinrich (Enrico) Mylius (1769-1854) ließ sich Ende des 18. Jahrhunderts mit seiner Ehefrau Friederike, die aus Weimar stammte, in Mailand nieder. Binnen weniger Jahre gelangte er dort als Unternehmer in der Seidenproduktion, im Textilhandel und Bankwesen zu Wohlstand und Ansehen. Von Mailand aus pflegte er gute Kontakte zu den Persönlichkeiten des Weimarer Hofs, insbesondere zu Johann Wolfgang Goethe, mit dem er zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb.

Mylius war ein eindrucksvoller, vielseitiger Mann, der seinen Erfolg als Unternehmer auch anderen zugute kommen ließ: So finanzierte er zahlreiche sozialkaritative Einrichtungen, gründete eine technische Hochschule und förderte Künstler durch Aufträge und Preise. Sein Verdienst um den kulturellen Austausch zwischen Italien und Deutschland ist immens.

1829 erwarb Heinrich Mylius einen Landsitz oberhalb des Comer Sees in Loveno für seinen Sohn Julius, der plante, sich mit Luigia Vitali aus aristokratischer Mailänder Familie zu verheiraten. Doch Julius starb im Folgejahr kurz nach der Hochzeit. Der Vater ließ daraufhin das Anwesen zu einem Gedächtnisort mit zahlreichen Skulpturen und Bildern ausgestalten.

Die junge Witwe, Luigia, heiratete in zweiter Ehe Ignazio Vigoni. Ihr Enkel gleichen Namens, Ignazio Vigoni junior (1905-1983) starb im Februar 1983 als letzter Nachkomme einer wohlhabenden deutsch-italienischen Familie.

Testamentarisch vermachte Don Ignazio Vigoni Medici di Marignano der Bundesrepublik Deutschland seinen Besitz am Comer See. Dieser umfaßt Ländereien, kleinere landwirtschaftlich genutzte Gebäude, vor allem aber zwei herrschaftliche Villen: Villa Mylius-Vigoni und Villa Garovaglio-Ricci.

Der Wunsch des Erblassers lautete, dort in Erinnerung an die Freundschaft seines Vorfahren Heinrich Mylius mit Johann Wolfgang Goethe und Alessandro Manzoni ein Zentrum zur Förderung der kulturellen und politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien zu errichten. Nach den Worten des Testaments sollte das Anwesen dem Aufenthalt von Persönlichkeiten aus Politik und Diplomatie, von Wissenschaftlern, Schriftstellern, Künstlern, also als Sitz eines Zentrums für hohe deutsch-italienische Kultur dienen.

Nachdem Rechtsgültigkeit und Umsetzbarkeit des Testaments geprüft waren, leiteten vor Ort Beauftragte des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft den Übergang der Villa Vigoni vom privaten Familienbesitz zur öffentlichen Kultur- und Wissenschaftsinstitution. Erste Treffen von Politikern und Wissenschaftlern fanden bereits 1984 statt. Die Bundesregierung nahm im Juni 1984 das Legat offiziell an und beschloß die Mittel für Ausbau und Ausstattung der Villen. Dabei schloß das Grundkonzept von Anfang an programmatisch die europäische Dimension mit ein, die im deutsch-italienischen Dialog einen wichtigen Pfeiler besitzt.

Am 21. April 1986 unterzeichneten die Außenminister Giulio Andreotti und Hans Dietrich Genscher in Bonn eine Regierungsvereinbarung über die gemeinsame Förderung und Nutzung des Vereins Villa Vigoni im  Rahmen des deutsch-italienischen Kulturabkommens von 1956. Wie es in dem Notenwechsel heißt, ist es Aufgabe des Vereins, die deutsch-italienischen Beziehungen in den Bereichen der Wissenschaft, der Bildung und der Kultur unter Einbeziehung ihrer Verknüpfungen mit Wirtschaft, Gesellschaft und Politik durch Studienaufenthalte, Kolloquien, Workshops, Sommerakademien und kulturelle Veranstaltungen in der Villa Vigoni zu fördern.

Zur Gründungsidee gehört, daß sich die Villa Vigoni aber nicht im bilateralen Rahmen erschöpft, sondern diesen in eine europäische Perspektive stellt und die Weiterentwicklung der beiderseitigen Beziehungen als aktiven Beitrag in und für Europa versteht.

Diese „Mission“ erfüllt seither der deutsch-italienische Verein Villa Vigoni e.V.

Print page Link

Diese Seite weiterempfehlen

Ihr Name

Ihre E-Mail-Adresse

Name des Empfängers

E-Mail-Adresse des Empfängers


Geschichte